5. Juni 2012

nur noch wochen.

Das Land hat mich verzaubert und ich merke es erst jetzt. Nach 10 Monaten in der Ferne, weit ab vom heimatlichen Kühlschrank, meinen Freunden und meiner Familie die ich alle liebe, holt mich das Gefühl ein, dass ich gehen muss. Ich kann nicht so einfach gehen. Ich muss. Auf einmal wirkt alles auf mich ein, auf eine andere Art und Weise. Lange hab ich gebraucht bis ich diese Kultur wertschätzen gelernt hab, mich den Menschen geöffnet hab und sich bei mir ein fast heimatliches Gefühl auf den verdreckten, engen und zeitraubenden Märkten eingeschlichen hat. Zeit werde ich in Deutschland sehr vermissen. Hier braucht man einfach viel Zeit, den Beziehung zu pflegen und auch die afrikanische Arbeitsmoral, drängen einen dazu den Moment zu genießen und neue Freundschaften zu schließen. Die Augen öffnen sich immer mehr für andere Menschen, Menschen die sich wahrscheinlich nie, die einfachsten Dinge leisten werden können, die für mich ein muss sind, Menschen, die aber trotzdem glücklich sind.

Ich werde die Kids verlassen müssen. Kinder die ich liebgewonnen habe. Von denen ich gelernt hab, das sie Zuneigung und Liebe brauchen, und ich genug davon habe um, ihnen ein Lächeln übers Gesicht zu zaubern und zu zeigen, dass das Leben schön ist.
Bald ist es vorbei. Ein neuer Abschnitt erwartet mich. Die Welt hat sich verändert in einem Jahr, und so hab ich auch mich.
Deutschland, bald hast du mich wieder.

17. April 2012

zwei seiten.

April, Mai, Juni, Juli. Noch fast ganze 4 Monate in der Ferne und dann wieder zurück in die Heimat meines Herzens. Nach Hause zu meiner Familie, zu meinen Freunden, die mir vorallem in der weiten Trennung von daheim, als wirklich wertvoll bewusst geworden sind.
Wer wäre ich ohne Freunde und Famlie?
Wie wertvoll es ist eine Mutter und einen Vater zu haben, ist nicht zu beschreiben.
Das Gefühl kann man nicht in Worte fassen, Sonntags oder auch Dienstags im Gottesdienst zu sitzen, wo dann das ganze Kinderdorf versammelt ist, eine Schar von 120 Kindern und Jugendliche und zu sehen und zu wissen, dass ich nicht nur vieles Materielle habe, was sie vielleicht nie haben werden, sondern dass fast jeder von ihnen weder Mutter noch Vater hat.
Warum verdammt hab ich einen Vater und eine Mutter? Warum nicht diese Kinder auch? Warum ausgerechnet ich? Warum hab ich mehr als sie?




Es muss Gnade sein. Was sonst?
Wenn nicht der Manager des Kinderdorfes, über die Jahre nicht durchgehalten hätte, oder die Arbeit gar nie angefangen hätte, wahrscheinlich 90% der Kinder wären tot. Verhungert, von Verwandten getötet wegen dem Erbe oder von Hexenmeistern geopfert worden.
Ja, du hast richtig gelesen. Es ist durchaus schon passiert, dass Kinder dem Teufel geopfert werden. Der Teufel ist nicht nur eine Erfindung, um unseren Kinder ein bisschen Angst zu machen, er ist real und vor allem hier können die Menschen ein Lied davon singen.
Er hat Macht um Menschen ein Leben lang zu binden. Sei es Alkohol, Drogen oder Selbstmordgedanken. Dahinter steckt er und er hört nicht auf bis er dich mit seinen Lügen überredet hat.
Das ist die Realität.
Aber die andere Seite der Medaille ist, dass es jemanden gibt, der weitaus mächtiger, besser und stärker ist. Er hat die Macht dich von allem zu befreien, das dich gerade festhält, das dich nicht mehr loslässt, das Besitz von dir gereift und dich dazu bringt die Menschen, die du eigentlich liebst, wie Dreck zu behandeln.
Sein Name wird meistens in den Dreck gezogen. Er wird verantwortlich gemacht für Dinge, die er hätte verhindern können, die Menschen jedoch selbst regeln wollten - auf ihre eigene Art und Weise, die jedoch mehr als oft nur mit Fehlern behaftet ist.
Sein Name ist Jesus. Und er hat sein Leben gegeben für dich und für mich.

27. März 2012

zurück.

Zurück aus Südafrika,das wie ich es kennengelernt hab, sehr weiß und Florida ähnlich wirkt, zumindest da wo ich war. Das Zwischenseminar war große Klasse. Ich hab es genoßen wieder mal ein bisschen europäische Umgebung in Südafrika zu schnuppern, abends um 22 Uhr einfach draußen rumzulaufen, auf ausschließlich guten Straßen zu fahren und einfach zusammen mit Gleichgesinnten zu sein.
Die kleine Auszeit aus meinem Alltag, hat mir geholfen, Tansania neu zu schätzen und dankbar zu sein für den Ort an den mich Gott gebracht hat.
Nachdem Seminar hatte ich dann noch mit Paul, David und Flo eine wirklich richtig geniale Zeit Urlaub, in der wir an den südlichsten Teil Afrikas getrampt sind. Wenn wir nicht gerade am Straßenrand durch eine buchstäbliche Wüste wanderten, wo uns allmählich das Wasser knapp wurde (Planen ist dann doch nicht so unsere Stärke gewesen), verbrachten wir die meiste Zeit unsere kleinen Reise auf Ladeflächen von verschieden freundlichen Pick-up-Fahrern, die sich uns dann doch erbarmten. Vier weise Jungs am Straßenrand spazierend und hinten auf dem Auto sitzend gaben bestimmt ein gutes Bild, wo eigentlich ausschließlich Schwarze per Anhalter fahren.
Aber "Eddy end, we didid!" Wir sind dort angekommen wo wir wollten und haben die Zeit voll ausgekostet.
1,2,3 - Bungee!!!

Sogar die Bewohner, von Stroisberg (oder wie auch immer unsere Zielstadt hieß) gewannen uns richtig gern. Als wir nämlich auf eine Mitfahrgelegenheit wieder nach Hause warteten, die wir am Abend zuvor getroffen hatten, und Francis (so heißt der Schlingel) sich ungefähr 5 Stunden verspätet hat, setzten wir uns einfach an den Straßenrand und chillten dort den halben Tag. Nachdem wir dann die Autofahrer immer nett gegrüßt haben, und einen schönen Tag gewünscht hatten (Flo spielte auch mal den Verkehrspolizisten und leitete ein paar Autofahrer über die Kreuzung, schlossen uns die netten Einwohner und auch die Polizei, die jeweils hundertmal vorbei fuhren (es war auch eine Kaffstadt), in ihre Herzen. Diese wertvollen Erfahrungen werde ich für immer in meinem Herzen tragen und auch die verwirrten und verwunderten Blicke der Autofahrer, die da vier weiße Penner am Straßenrand liegen sahen.

Paul, David und Flo sind wirklich Klasse Jungs und ich werde die Zeit mit ihnen in Südafrika nicht so schnell vergessen.


es kommt bald mehr.

14. Februar 2012

glück gibt es in der gegenwart. nicht in der zukunft.



Als ich noch Deutschland war und es nicht erwarten konnte endlich afrikanischen Boden zu betreten, hielt ich es vor Vorfreude fast nicht aus. Endlich mal weg aus Deutschland. Dem allgegenwärtigen Druck entfliehen, doch bitte endlich mal zu wissen was ich werden soll, weil jeder andere es schon ewig weis.
Etwas total Neues zu erfahren. Neue Freundschaften zu schließen. Und ein großes Stück an Veränderung zu bekommen.
Ich dachte wirklich, "dort werde ich glücklich sein". Jedoch hab ich nicht daran gedacht, dass da wohin ich geh nun mal auch ich selbst dabei bin. Ich dachte, Veränderungen sind echt cool und machen voll Spaß. So was nennt man Naivität.
Wenn ein neuer Lebensabschnitt auf dem Vormarsch ist, beginnen die meisten Menschen vorzustellen wie glücklich sie sein werden. Sei es eine Freundin, das neue Auto, ein neues Haus oder ein neues Land.
Wenn ich Eines gelernt hab, dann ist es da glücklich zu sein wo man ist und sich nicht auf zukünftige Dinge zu vertrösten.
Ich denke oft an Zuhause. Da wo die Menschen sind die ich am meisten liebe und die auch mich am meisten lieben. Ich denke daran wie es sein wird, aus der Ankunftshalle des Flughafens mit meinem Koffer angerollt zu kommen und nach vielen Monaten endlich wieder meine Familie in die Arme zu schließen, auf einer deutschen Autobahn zu rasen und zu genießen dass es keine Schlaglöcher gibt, den Moment in dem ich auf die Elektrozündung meines Motorrads drücken werde und der liebevollen, kompromisslosen, tiefen männlichen Stimme des Motors zu lauschen und dabei meine Augen zu schließen, die erste eiskalte Flasche deutsches Bier in der Hand zu halten und jeder Zeit einfach zum McDonald's fahren zu können um einen Big Mac zu bestellen. Das sind Dinge, an die ich immer wieder denken muss. Da ist eine große Vorfreude in meinem Herzen. Und manchmal auch der trügerische Gedanke, dass ich dann glücklicher sein werde.

Da wo ich jetzt bin, da wo ich jetzt steh, wenn ich dort nicht glücklich bin, warum sollte ich dann woanders glücklicher sein?
Du sagst jetzt, "ja Philipp, so naiv kannst ja auch nur du sein." Aber denk doch mal scharf nach, dir ist es vielleicht nicht bewusst, aber die meisten Menschen denken genauso wie gedacht habe.

Wenn du glücklich sein willst, dann gib dich her für andere Menschen, verbring mit ihnen Zeit, bring dein Gewissen ins Reine und hör auf zu denken, es gäbe keinen Gott und dass du schon irgendwie durchkommst, dann am Schluss wenn du vor ihm stehst. Das ist dann wirklich Schwachsinn. Meinst du Jesus ist einfach umsonst mal so gestorben, dass du den größten Mist verzapfst und damit am Ende durchkommst? DAS ist naiv.

Glücklich sein heißt, mit den Menschen um dich herum im Reinen zu sein und vor Allem mit Gott. Und wenn du das nicht schaffst wo du gerade bist, warum solltest du es woanders schaffen? So etwas zu denken ist naiv. Das hier und jetzt ist was zählt. Nicht das nächste Jahr in dem alles besser sein wird.

Und wenn du keinen blassen Schimmer hast, was du machen sollst, dann frag einfach Jesus. Der weis Bescheid.

17. Januar 2012

wieder daheim. irgendwie

Grüßt euch Gott!

Mein Herz schlägt noch im Takt, das Blut strömt durch meine Adern.
Ich bin noch am Leben.
Es ist nichts weiter dramatisch passiert, außer dass ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe auf diesem, meinem Blog.
Erlebt habe ich viel in den letzten Wochen. Die Massai haben mich beeindruckt, die Schönheit der Serengeti und die Vielfalt des Ngorongoro-Krater mein Empfinden von Natur neugeformt und verändert, Dar es Salaam seine schlechte Seite in Form zweier Straßendiebe offenbart und die Kids bei Paul in Morogoro mein Herz gewonnen.
auf dem Berg. im Urwald.


Letztendlich bin ich wieder da in meinem zu Hause für ein Jahr.
Ich bin Bibliothekar. Neuerdings, ja das ist wahr. Ha. Jetzt hat jeder geschmuzelt, weil es sich reimt.

Wie auch immer. Ich sitze jetzt vormittags anstatt bei Andrea im Büro, in der Schulbücherei der Bethania Primary School, scanne kräftig die Srichcodes in den Computer ein und gebe die Exercise-Hefte, Kreide und sonstige Unterrichtsuntensilien aus meiner Obhut, in die eines Schülers oder Lehrers.

In der Zwischenzeit räum ich dann das auf was meine Vorgängerin hinterlassen hat. Und sonst lerne ich Kinderbücher auswendig. Das geht ziemlich einfach, weil ja fast nur Bilder drin sind. [
ein kleiner Scherz am Rande]

So sonst gibt es nicht viel zusagen, außer dass ich mich immer wieder auf den Moment freue, meine Lieben in Deutschland in die Arme zu schließen. Ein halbes Jahr noch und Deutschland hat mich wieder.

Die besten Grüße

euer Philipp

15. November 2011

an scheen gruß!

So jetzt bin ich hier. In Kemondo schon seit dem 1. September. Das sind ein Monat und 15 Tage, nach Adam Riese.
Meine Aufgaben hier hab ich euch eigentlich schon einmal gesagt, aber vorsichtshalber sag ich sie nochmals. Busfahrten, Krankenhausfahrten, alles dabei. Hausaufgabenbetreuung. ABC. Bis die Nerven fast zerreißen lerne ich das ABC. Und zwar das englische und das is ja schwer. NICHT.
Also fÜr die Kids anscheinend schon. Zumindest für meine 2 Spezialisten, die auch noch Zwillinge sind. Naja mit sowas hab ich eben hier zu kämpfen.
Mir geht es gut. Ich hab mich eingelebt und bin jetzt so ziemlich voll dabei. Ich bekomm oft Besuch von den Jungs hier im Kinderdorf. Hier in Afrika kommt man eben einfach mal vorbei, ohne sich anzumelden. Das ist hier Kultur.

Das WG-Leben ist interessant und lustig. Wir essen fast immer gemeinsam. Eigentlich immer.
Ich bin der Hahn im Korb. Der Prinz Charming und das Haupt der Familie. Ich bin einfach der Chef hier. Das ist mal ne ganz neue Erfahrung als einziger Mann mit 4 Frauen. Chef war ich ja schon daheim.

"Es will bestimmt jeder was wir so für Klo-Probleme haben", lautet die Stellungnahme einer Kontaktperson die nicht genannt werden will. Also das Klo war jetzt schon paar mal verstopft. Es ist ja kein Wunder. Das sag nicht weil wir so einen guten Stuhlgang haben. Nein. Es ist deswegen, weil das Abflussrohr das aus der Mauer nach draußen führt, einfach in ein anderes Rohr "gelegt" wurde, also nicht fest verschlossen. Und hin und wieder mal, gelangt dann irgendwie ein Stein hinein und dann haben wir die Kacke am Dampfen.
Also konnten wir das Klo jetzt schon zweimal für jeweils fast einanderthalb Tage nicht benutzen.
So ist das Leben hier.
Abgesehene von den Kakerlaken in der Küche, weswegen wir jeden Samstag alles aus den Schränken räumen und sauber machen, dem Leguan oder der Ratte auf dem Dachboden, weswegen man schon mal Nachts hochschreckt, dass manchmal kein Wasser aus der Leitung kommt, ist das Leben hier wirklich gut und schön.
Die Flora und Fauna hier ist ziemlich der Hammer und das Internet richtig Mist. [zumindest auf dem Labtop]

So jetzt hab ich genug gesagt für die nächsten Wochen.
Seruvs!

Wenn da Rechtschreibfehler drin sind, is es mir egal.


6. Oktober 2011

Geduld. Die müsst ihr mit mir haben. Ich hab sie auch mit den Afrikanern und mit dem Internet hier. Zumindest tue ich so.
Spaß beiseite jetzt. Ich hab endlich seit Wochen wieder Internetzugang auf meinem Labtop und kann somit meinen Blog updaten.
Seit dem 14. September ist einiges passiert, vieles hat sich verändert. Meine Umgebung ist jetzt nicht mehr die einer Großstadt, sondern die eines Dorfes. Die staubigen Umgebung ist jetzt einer saftig grünen, blühenden Fauna gewichen und macht Platz für ein kleines Gefühl Heimat. Das heiße Klima in Dar es Salaam, ist nun ein eher europäisches. Ein Pullover ist schon manchmal angebracht und wenn es regnet, dann regnet es wirklich.
Ich bin jetzt hier in Kemondo. Im Kemondo Orphan Care Center. Das ist ein Kinderdorf und ich bin mitten drin. Da gibt es das Blue House, das White House - jedoch ohne Obama -, das Green House, Yellow House und das Wuzungu House - also das Guest House, indem ich auch wohne. Dann gibts bestimmt noch paar Häuser, die ich jetzt nicht aufgezählt hab. Egal.
Was ich so mach? Ich bin Busfahrer (unter anderem). Ich fahre frühs um 6.40 Uhr eine "Fuhre" Kinder in die Schule und hole dabei gleich auch welche ab, da wir hier nämlich auch eine Schule haben. Um 12.30 Uhr und um 14.45 Uhr darf ich dann nochmal jeweils eine Tour machen. Zwischen drin ist es noch ganz relaxed, denn Andrea, der ich im Büro dann vormittags helfen soll, ist gerade in der Heimat für ein paar Wochen.
Bis jetzt hält sich der Stress in Grenzen. Ein bisschen Basketball spieln, den Flur im Haus streichen. Aber wenn ich dann meine Trommelgruppe starte, bei den Pfadfindern mithelfe, sonntags Spiele für die Kids mitorganisiere und unter Woche Hausaufgabenbetreuung mache, dann gehts richtig los.

Dienstag ist unser Stadttag. Da gehen wir alle, also Debbi, Anna, Gerta, Paul, Eleneka und Ich nach Bukoba in die nächst größere Stadt und kaufen was zum Essen und was wir so brauchen.
So spielt das Leben hier. Deutschland ist weit weg, aber trotzdem in meinen Gedanken.

Über Kommentare oder Mails freue ich mich sehr!

Bis bald mal wieder.